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Führende Wissenschaftler diskutieren regulatorische und analytische Fragestellungen zu persistenten halogenierten Schadstoffen

Geschäftsführer Michael Baumann eröffnet das FoHP mit einer einstimmenden Rede

Die spannende und aufschlussreiche Podiumsdiskussion wurde moderiert vom ehemaligen Leiter und Vorstandsvorsitzenden des Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe (CVUA-MEL), Prof. Dr. Peter Fürst (4. von links).

Dr. Rainer Malisch, Leiter des EU Referenzlabor für halogenierte POPs in Freiburg, bei seinem Vortrag zum Thema Dioxine und PCBs

Gruppenfoto der Referenten

LCTech, Hersteller automatisierter Robotiksysteme für die Aufreinigung von Lebens- bzw. Futtermittel- und Umweltproben, führte vom 04.-05.04.2019 ein international besetztes Forum zum Thema halogenierte persistente Schadstoffe (FoHP 2019), im Akademiezentrum der TU München in Raitenhaslach / Burghausen durch. 

Im Fokus des ersten Veranstaltungstages standen dabei zunächst Dioxine und PCBs. Trotz einer gegenüber den ersten Messungen vor über 40 Jahren erreichten Empfindlichkeitssteigerung um den Faktor 500.000, war die Sensitivität der Analytik wieder ein Diskussionspunkt. Ausgangspunkt war die Neubewertung des toxikologischen Risikos der Dioxine/PCBs durch die EFSA (European Food Safety Authority) und damit verbunden eine deutliche Absenkung der tolerablen wöchentlichen Aufnahmemenge TWI (Tolerable Weekly Intake) um den Faktor 7. Wie Strategien und Möglichkeiten zur Erreichung der niedrigeren Grenzwerte aussehen könnten, wurde zwischen den anwesenden Experten aus behördlichen und privaten Laboratorien intensiv diskutiert, ebenso wie die widersprüchlichen Konsequenzen einer etwaigen Neuregulation und die problematische Kommunikation gegenüber „normalen“ Endverbrauchern hinsichtlich der negativen Bewertung von BIO-Produkten wie Eiern, Fleisch und Fisch. Darüber hinaus wurden die weitreichenden Konsequenzen einer Erniedrigung des TEF (Toxicity Equivalency Factor) von 0,1 auf 0,01 für das dl-PCB 126 auf den Warenverkehr angesprochen.

Im Anschluss wurde die vergleichsweise heterogene Gruppe der bromierten Flammschutzmittel (BFRs – Brominated Flame Retardants), wie z. B. PBDEs, HBCDD, TBBPA, BPs und PBBs, hinsichtlich ihrer möglichen toxikologischen Bedeutung, der Analytik, wie auch dem Vorkommen in Nahrungsmitteln näher beleuchtet. Die aktuellen Auswertungen entsprechender Ringversuche wurden ebenfalls vorgestellt. Während hier die Erfassung der PBDEs allgemein in Laboratorien gut etabliert ist, besteht bei anderen Verbindungen wie HBCDD oder neuen BFRs noch deutlicher Optimierungsbedarf. Auch die BFRs werden bezüglich ihres Nutzens (Brandverzögerung) und Schadens (Verteilung in der Umwelt / toxikologisches Potenzial) kontrovers diskutiert.  

Die Abschlussvorträge des ersten Tages gaben einen Einblick in die herausfordernde Probenvorbereitung und Analytik der ebenfalls industriell hergestellten Chlorparaffine (CPs). Aufgrund ihrer Produktion aus Paraffinen über eine radikalische Chlorierung sind mehrere Millionen Strukturisomere möglich, so dass derzeit noch keine zertifizierten Referenzmaterialien verfügbar sind. Trotzdem wurden die Möglichkeiten der Aufreinigung von CP-Proben ebenso gezeigt wie die erfolgreiche Bestimmung des CP-Summenparameters insgesamt und die Unterscheidung einzelner SCCP (Short Chain CP)-, MCCP (Medium Chain CP)-, und LCCP (Long Chain CP)-Fraktionen.    
  
Der zweite Veranstaltungstag war ausschließlich den poly- und perfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) gewidmet, einer industriell genutzten Stoffgruppe, die rund 4.000 Verbindungen umfasst und die derzeit in vielen Teilen Deutschlands, aber auch global, im Zentrum der Diskussion steht. Hintergrund hierfür ist die weltweite Nutzung und Verbreitung in Luft, Boden und insbesondere Wasser in Kombination mit der hohen Persistenz aufgrund der sehr stabilen C-F-Bindungen und die toxikologische Neubewertung zweier wesentlicher Vertreter, nämlich PFOA (Perfluoroctansäure) und PFOS (Perfluoroctansulfonat), durch die EFSA. Nach Ansicht der EFSA weisen beide Verbindungen eine um Zehnerpotenzen höhere Toxizität als bisher angenommen auf und müssen daher entsprechend niedriger reguliert werden. Ebenso wie bei den Dioxinen ergeben sich hieraus entsprechende Herausforderungen für die Analytik, aber auch für Verzehrsempfehlungen an den Konsumenten und die zum Teil notwendigen Optimierungen von z. B. Klärwerken und Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung. Einig waren sich die Wissenschaftler daher, dass sowohl die Nutzung, wie auch die Verbreitung global minimiert werden muss. 

Insgesamt 77 meinungsbildende und führende Wissenschaftler aus 14 Nationen haben das Forum on Halogenated Pollutants besucht. Eingestimmt wurden sie bereits am Vortag mit einer Stadt- und Burgführung sowie einem Get-together am Abend. Begeistert waren alle Teilnehmer von dem „Steinernen Saal“ der Klosteranlage des TUM Akademiezentrum Raitenhaslach, in dem die Vorträge gehalten wurden. Spontan wurde auch von Mitarbeitern der TU München eine Führung durch die sehenswerten Räumlichkeiten des Prälatenstocks durchgeführt, welche den positiven Eindruck des Veranstaltungsortes weiter verstärkt hat. Mit dieser Veranstaltung wurden nicht nur wichtige Zukunftsthemen diskutiert, alle Teilnehmer haben zudem eine positive Erinnerung an die schöne Stadt Burghausen und deren geschichtlichen Hintergrund mitgenommen.

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